Die Geschichte von St. Stefan im Rosental

  • Der Name "Rosental"
  • Die Kirche und die mittelalterliche Pfarre
  • Die Hagegker als Grundherren
  • Stammbaum der Hagegker
  • Schloss Waldegg oder Narreneck
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    Schon im Altertum dürfte diese Gegend bäuerlichen Charakter besessen haben. Einzelne Gräberfelder (bei Aschau und am Breinberg) sowie ein im Jahre 1846 in einem Acker an der Saß gemachter Fund von 50 römischen Münzen weisen darauf hin, dass bereits Kelten und Römer hier gesiedelt haben.
    Im 6. nachchristlichen Jahrhundert drangen die Slawen in die Steiermark ein. Nach der Besiegung der Awaren durch Karl den Großen am Ende des 8. Jahrhundert wurde die ganze heutige Steiermark ins Frankenreich eingefügt. Im 9. Jahrhundert dürften zum erstenmal deutsche Kolonisten auch den Boden des oberen Saßtales betreten haben. Der Name des Dorfes Gigging weist als sogenannter echter "Ingname" auf eine Gründung durch einen Guki hin.
    Nur spärliche Reste dieser ersten deutschen Landnahme mögen sich jedoch über die Ungarnstürme erhalten haben, die vom Ende des 9. Jahrhunderts auch diesen Landstrich für fast eineinhalb Jahrhunderten in die Hand der Ungarn gebracht haben. Erst die endgültige Eroberung der Oststeiermark durch die Feldzüge König Heinrichs des Dritten von 1042 bis 1044 machten eine neue deutsche Besiedelung vom Westen her möglich. Diese erste intensive Kolonisation setzte ab dem 2. Viertel des 12. Jahrhunderts ein und erreichte auch das obere Saßtal.
    Woher der Name Rosental seinen Ursprung hat, konnte bisher nicht ermittelt werden. Um diesen schönen Ortsnamen ranken sich mehrere Sagen. Eine Sage erzählt, dass vor vielen Jahren an der Stelle, wo später der Pfarrhof errichtet wurde, ein nettes Holzhaus gestanden haben soll.
    Die Besitzerin dieses Hauses hieß Rosa und erfreute sich wegen ihres gutherzigen Wesens großer Beliebtheit. Die fromme Rosa verfügt in ihrem Testament, dass das Holzhaus nach ihrem Tode Eigentum der Kirche werden solle, was auch geschah. Zum Dank für ihre guten Taten nannte man das Tal in dem sie gewohnt hatte, "Rosantal". Erst in späterer Zeit wurde aus "Rosatal" der heutiger Name "Rosental".
    Alte Sagen berichten von einem stattlichen Schloss am Greinerkogl. Diese mündlichen Überlieferungen dürfen mit dem Rittergeschlecht der Hagegker in Bezug zu setzen sein. Die Hagegker besaßen Ende des 13. Jahrhunderts Burgstellen auf dem Rosenberg bei Greith und über Tagensdorf am Greinerkogel.
    Der Sage nach soll der Schlossherr am Greinerkogel ein gar strenger Richter gewesen sein, der auch Gefangene in seinem Schlosse verwahrt hielt. Seine mildtätige Tochter hingegen brachte den Gefangenen des öfteren heimlich Speis und Trank ins Gefängnis. Eines Tages aber ertappte der Schlossherr das Mädchen bei ihrem Vorhaben. Auf die Frage des Vaters nach dem Inhalt ihrer Schürze antwortete das Schlossfräulein: "Rosen hab ich drinnen". Als der Schlossherr in die Schürtze blickte, waren es tatsächlich lauter schöne Rosen. Diesem Wunder gibt die Sage die Begründung für den Namen "Rosental".
     
     

     Die Kirche und die mittelalterliche Pfarre

     
    Kirchlich gehört St.Stefan ursprünglich zur Ur- und Mutterpfarre St. Georgen an der Stiefing, die im Zuge der Kolonisationsbewegung eine Reihe von Tochterkirchen in Kirchbach, St. Stefan, Wolfsberg und Jagerberg um sich legte.
    Im Jahre 1248 schenkte Erzbischof Phillip von Salzburg die Pfarre St. Georgen dem Bistum Seckau als Mensalpfarre. Durch die Schenkung kam auch die Kirche St. Stefan an das Bistum Seckau.
    Die Pfarre St. Stefan kam nach Klein`s Kirchengeschichte schon im 13. Jahrhundert vor. Im Jahre 1256 wurde sie von Ulrich von Seckau an Gundacker von Gleitsau verpfändet und kam im Jahre 1269 durch den Bischof Bernhard wieder an Seckau zurück.
    In dieser Urkunde des Jahres 1269 wird St. Stefan zum ersten Mal namentlich urkundlich genannt. Ziemlich gleichzeitig wird St. Sfefan auch im Urbar des Böhmenkönigs Ottokar von 1265 bis 1267 an anderer Stelle erwähnt.
    Die genaue Ausdehnung der mittelalterlichen Pfarre St. Stefan ist aus einigen urkundlichen Nachrichten, besonders aber aus dem Zehentbuch des Bistums Seckau aus dem Jahre 1406 ersichtlich. Sie umfasst folgende Ortschaften ( nach der damaligen Schreibweise ) : Sand Stephan, Tolraitt, Chrotendorf, Reicharsdorf, Schilhennaw, Geräwt, Fränbach, Mukental, Magesdorf, Gukking, Lubichendorf, Mäwsenräwt ( abgekommen ) Trebsen ( = Trössengraben ). In allen diesen Dörfern zusammen bestanden damals 141 Häuser. Die mittelalterliche Pfarre zählte etwa 550 bis 700 Einwohner. Ist auch kein mittelalterlicher Pfarrer mit Namen genannt, so weist doch die Bezeichnung "Widenhof" von 1414 auf einen in St. Stefan bestehenden Pfarrhof hin.
    Wann die Kirche von St. Stefan erbaut wurde, ist nicht bekannt. Eine Sage erzählt, dass der Vorderteil des Kirchenschiffes ( Presbyterium ) aus einem heidischen Tempel hervorgegangen sei. Den übrigen Teil der Kirche aber habe eine Frau, Besitzerin von Waldeck, gebaut und dazu ihr ganzes Vermögen geopfert. Der Sage nach soll die genannte Frau darauf in Not und Armut geraten sein. Die Kirche steht fast im Mittelpunkt des Pfarrsprengels. Sie ist von mittlerer Größe, einschiffig und hat einen hübschen Turm mit 6 Glocken. Außer dem, dem Kirchenpatron geweihten Hauptaltar gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert noch zwei Seitenaltäre mit Bildern Herz Jesu und Herz Maria.
     
     

     Die Hagegker als Grundherren

     
    Die Hagegker sind jenes adelige Geschlecht, das durch die zwei Jahrhunderte der Blütezeit des mittelalterlichen St. Stefan die Hauptrolle auf diesem Boden gepielt hat. Das Geschlecht der Hagegker ist mit der Geschichte des Ortes St. Stefan i. R. eng verbunden. Das frühe Auftreten dieses Rittergeschlechts lässt vermuten, dass ihre Anfänge noch in die Zeit der Auflösung des Guthofes zurückreichen, ja, dass sie vielleicht sogar aus den Meiern des Gutshofes hervorgegangen sind, der gesamte Hagegker Besitz, wie er bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Erscheinung trat, umfasst St. Stefan und Greith mit der anschließend gelegenen Burg "Hagegk".
    Der erste namentlich genannte Vertreter des Geschlechtes ist der im Jahre 1273 als Zeuge in einer Urkunde vorkommende Ulricus de Hagegker. Seni Sohn dürfte, dem Hagegker Archivinventar zu schließen, der 1309 genannte Rudolf de Hagegker gewesen sein.  
     
     
    Stammbaum der Hagegker
    Ulrich
    1273

    Rudolf I.
    1309
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    -------------------------------
    Rudolf II.
    1361, 1394
    Ehe mit: Dorothea Mordaxin
    1394, 1415
    Marchart (Merchil)
    1361
    -------------------
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    Caspar
    Dorothea
    verstr. 1450
    Ehe mit: Adam
    der Slär
    Ehe mit: Agnes
    Tunawer

    Wolfgang Slär
     
    Mit dem Tode Caspars im Jahre 1450 wurde der letzte Ritter von Hagegk zu Grabe getragen. Seine Witwe Agnes übergab der Schwester der verstorbenen Dorothea und deren Sohn Wolfgang Slär Siegl und Archiv des Geschlechtes der Hagegker.
    St. Stefan muss aber bald an Thomann Rottaler gekommen sein. Dieser war der Sohn des reichen Grazer Bürgers und Probstes von St. Martin, Thomann Rottaler und ein großer Wohltäter des Grazer Dominikanerklosters.
     
     

    Schloß Waldegg oder Narreneck

     
    Das Schloss liegt westlich von Glatzau in einem kleinen Seitental. Es wurden im 16. Jahrhundert an der Stelle des alten Wehrbaues zu Tagensdorf errichtet. Ursprünglich wohl nur ein bescheidener wehrhafter Hof, von Mauern und Graben umgeben, war Narreneck um das Jahr 1700 ein stattliches Gebäude. Das Schloss selbst war ein langgestreckte viereckiger Bau und begrenzte mit dem gleichlaufenden Wirtschaftsgebäude, mit dem es durch Bogengang verbunden war, einen langgestreckten Hof. Ein breiter Graben, der früher mit Wasser gefüllt war, umgab das Schloss. Heute dient das zum Teil abgetragene Schloss als Wirtschaftsgebäude, das alte Wirtschaftsgebäude wurde zum Wohnhaus. Der Turm, der vermutlich noch von der alten Anlage erhalten geblieben ist, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts als baufällig abgetragen, Graben und Mauer sind verschwunden.
    Georg Narringer dürfte mit dem Neubau dieses Hofes bald nach 1420 begonnen haben. Sein Erbe Mert setzte den Bau des damals wohl noch bescheidenen Hofes fort und erhielt 1443 von König Friedrich IV. die landesfürstlichen Lehen über Güter zu Kirchbach. Seine Söhne Christof und Andreas ( seit 1460 Besitzer des Hofes ) stellten sich 1469 auf die Seite Andreas Baumkirchers. Im Sommer 1470 wurde bei den Verhandlungen bestimmt, dass die Verbündeten der Baumkircher dem Kaiser alle Schlösser und Besitzungen herausgeben müssten mit Ausnahme des Gutes, so weit diese Bauten nicht auf landesfürstlichen Gründen standen ( 30. Juli 1470 ). Die letzteren Teile des Hauses sollten abgebrochen werden. Der Krieg hatte Christof Narringer in schwere Schulden gestürzt, die ihn zwangen den Sitz zu Narreneck, das Dorf Glatzau, die Güter zu Kirchbach, Tagensdorf, Gleispach und Abstall 1473 an Erhart Lembacher zu verpfänden.
    Erhart Lembacher erhielt am 9. Jänner 1475 einen Schutzbrief über diese Güter, doch konnte Christof Narringer am 9. September des gleichen Jahres wenigstens den Sitz Narreneck auslösen. Trotz der üblen Erfahrungen begann Christof Narringer sich erneut gegen den Kaiser zu erheben. Dieser ließ daraufhin 1477 Narreneck angreifen; es wurde eingenommen und zerstört.
    Christof begann aber trotz aller Schwierigkeiten das Haus wieder aufzubauen. Seine Erben verkauften das wiedererrichtete Haus Narreneck um 1500 an Andree Gleispacher. Wilhelm von Gleispach baute das Schloss weiter aus und schuf hier einen stattlichen Edelsitz. 1595 übernahm Siegmund Friedrich von Gleispach das Gut und löste die an Christof Galler verpfändeten Güter Glatztau, Muggenthal, Maxendorf, Lichendorf, Grössing, Trössengraben, Kirchbach und Frannach 1595 wieder aus. 1630 verkaufte er das "Gschloss Narrenogkh" mit 120 Gülten an Christof Freiherrn von Eibiswald.
    1642 erhielt Christof Freiherr von Eibiswald die Erlaubnis Narreneck Waldegg nennen zu dürfen. Seine Erben verkauften Waldegg im Jahre 1718 an Sigmund Freiherrn von Schwizen. Dessen Frau Franziska Xaveria beklagte sich über ihn bei Gericht wegen "allzuhart zu erdulden habenden "Tractaments" und der Nichtsicherstellung ihres Heiratgutes von 10.000 fl . Sie verlangte die standesgemäße Kleidung, den standesgemäßen Unterhalt un die Übertragung der Führung des Haushaltes. 1721 sei Sigmund Freiherr von Schwizen für längere Zeit fortgefahren, ohne seiner Gattin Bedienung oder Lebensmittel hinterlassen zu haben. Schließlich schien es durch Einschreiten des Landeshauptmannes doch zu einer Einigung zwischen den Eheleuten gekommen zu sein.
    Im Jahre 1762 bedacht Sigmund Freiherr von Schwizen die Kirche St. Stefan in seinem Testament. Er stiftet 100 Gulden zur Haltung eines Seelenamtes am Allerseelentag. Die Pfarre St. Stefan besaß zu jener Zeit keinen eigenen Geistlichen und wurde von Seelsorgern aus Kirchbach mitbetreut. Sigmund Freiherr von Schwizen leistete mit seiner Stiftung im Jahre 1762 einen wichtigen Beitrag, die Wiedererrichtung der Pfarre St. Stefan in die Wege zu leiten.
    Zur Herrschaft Waldegg gehörten auch ein Ziegelstadl und ein Ziegelteich nebst mehreren Keuschlern zu Kroisbach bei Graz. Aus diesem Ziegelteich entstand ein halbes Jahrhundert später der Grazer Hilmteich.
    Die Herrschaft Waldegg blieb bis zum Jahr 1879 im Besitz der Familie der Freiherrn von Schwizen. Danach erwarb Heinrich Ritter von Plessing das Schloss. Seidem wechselten die Besitzer häufig.
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